|



| |
|
Durchblutung - ob wann wird es
kritisch?
Der mittlere Blutdruck in der zuführenden Arterie oberhalb des
Verschlusses steigt praktisch nicht an. Dies wird verständlich, wenn wir
uns an das geschlossene System des Gesamtkreislaufs erinnern. Das
Ausschalten eines Teilkreislaufs (z. B. Beinstrombahn) hat keine
nennenswerte Rückwirkung auf den System-Blutdruck, da der verminderte venöse
Abstrom aus der Beinstrombahn auch einen verminderten venösen Zustrom zum
Herzen und damit eine Abnahme des Herzminutenvolumens bedeutet.
Anders verhält es sich mit dem Druck unterhalb eines Gefäßverschlusses.
Durch das Passieren der kleinkalibrigen Umgebungsgefäße ist die Strömungsgeschwindigkeit
in den einzelnen Umgebungsgefäßen erheblich gesteigert, so dass ein
erheblicher Teil der Flüssigkeitsenergie als für das System nicht mehr
brauchbare Wärmeenergie (Reibung) verloren geht. Das Ausmaß des
Energieverlustes wird durch den gesunkenen Druck repräsentiert.
Diese Beziehung lässt erkennen, dass bei Steigerung der
Flussgeschwindigkeit oder Abnahme des Radius die Druckdifferenz größer
werden muss. Da sich der Druck oberhalb des Gefäßes praktisch nicht ändert,
kann die Zunahme der Druckdifferenz nur Folge der Drucksenkung unterhalb
des Gefäßverschlusses sein. Beim akuten Verschluss kommt es gewöhnlich
zu einer erheblichen Druckabnahme, gelegentlich bis auf 40 mmHg oder
weniger. Wichtig ist dabei die Frage, ob das sog. "kritische
Druckniveau" erreicht oder gar unterschritten wird.
Das kritische Druckniveau ist definiert als derjenige Druck unterhalb des
Gefässverschlusses, der gerade noch zur ungestörten Passage des Blutes
durch die kleinsten Gefässe (Kapillaren) ausreichend ist. Die Grösse des
kritischen Druckniveaus ist weder konstant noch exakt anzugeben. Folgende
Überlegungen und die Erlässuterung einiger in diesem Zusammenhang
charakteristischer Druckgrössen weisen daraufhin, dass das kritische
Druckniveau zwischen 40 und 50 mmHg angesiedelt werden muss.
Formal ist eine Kapillardurchblutung spätestens dann nicht mehr möglich,
wenn der Druck hinter Gefässverschlüssen den Venendruck (etwa 20-25 mmHg)
erreicht hat. Tatsächlich haben wir bereits bei höheren Drücken mit
einem Stillstand des Blutes zu rechnen. Es muss erst ein bestimmter Druck
aufgebracht werden, um überhaupt eine Strömung in Gang zu bringen. Den
Druck, bei dem eine Strömung gerade nicht mehr nachweisbar ist bzw.
gerade beginnt, nennt man kritischen Verschlußdruck" oder
"Stagnationsdruck". Darüber hinaus muss berücksichtigt werden,
dass bei fallendem treibendem Druck das Blut durch Verklumpung
(Aggregatbildung) roter Blutzellen seine gute Fliessfähigkeit verliert
und ein Transport roter Blutkörperchen nicht mehr stattfindet.
|
|
|